„Für mich ist Programmieren eine Kunst wie Malen“
Safi Taher, ehemaliger Schüler der BS 28, gewinnt mit der Hamburger Hacker School beim Deutschen Integrationspreis

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Safi Taher, ehemaliger Schüler der BS 28, gewinnt mit der Hamburger Hacker School beim Deutschen Integrationspreis

„Für mich ist Programmieren eine Kunst wie Malen“

von Heike Magnussen

Am 8. November 2018 wurde in Frankfurt/Main der diesjährige Deutsche Integrationspreis verliehen. Einen tollen vierten Preis hat die Hamburger Hacker School gewonnen. Für ihr Projekt »Hacker School Plus«, bei dem Geflüchtete als „Inspirer“ IT-Workshops für Kinder und Jugendliche geben, bekam sie 3000 Euro. Herzlichen Glückwunsch!

Seit einem Jahr bei der Hacker School mit dabei: Unser ehemaliger Schüler Safi Taher, der im Sommer in der Klasse JM 744 seinen mittleren Schulabschluss gemacht hat.

Die Zeit:Elbvertiefung, der tägliche Newsletter der ZEIT für Hamburg, hat mit der Geschäftsführerin Julia Freudenberg und mit Safi gesprochen:


Elbvertiefung: Herr Taher, Sie sind 2016 aus Afghanistan nach Deutschland gekommen. Wie haben Sie von der Hacker School erfahren?

Safi Taher: Das war in der Bibliothek am Hauptbahnhof, da machte die Hacker School gerade eine Session. Ich habe mich schon in Afghanistan für IT interessiert und wollte eine entsprechende Ausbildung machen, nachdem ich hier in Deutschland meinen mittleren Schulabschluss gemacht hatte.

Julia Freudenberg: Den hat er übrigens als Klassenbester abgelegt, das sagt er nur nie selbst.

EV: Was interessiert Sie an der IT?

Taher: Für mich ist Programmieren eine Kunst wie Malen.

Freudenberg: Ein schöner Vergleich.

Taher: Man kann etwas Nützliches entwickeln, das Menschen hilft, ihr Leben einfacher zu machen. Als ich neu nach Deutschland kam, war es für mich sehr schwierig, die Sprache zu lernen. Es gibt nicht viele Wörterbücher Paschtu-Deutsch. Deshalb wollte ich gern eine App entwickeln, die es anderen leichter macht.

EV: Tolle Idee! Gibt’s die schon?

Taher: Leider noch nicht.

EV: Frau Freudenberg, wie kamen Sie auf die Idee, Geflüchtete in Ihre Workshops einzubinden?

Freudenberg: All die Menschen sind eine wahnsinnige Chance für dieses Land. Es gibt welche, die hatten ihren Bachelor in Homs schon fast fertig, bevor sie fliehen mussten. Wir dachten uns: Da muss es doch Wege geben, wie wir hier Brücken bauen. Bislang haben wir mit ungefähr 150 Menschen gesprochen, über 20 konnten wir in eine Ausbildung und in Jobs vermitteln. Einen Kurs machen wir nur für Geflüchtete.

EV: Sie konnten auch Herrn Taher eine Ausbildungsstelle vermitteln. Wie lief das ab?

Freudenberg: Wir haben Safi in den Workshops, bei denen er als Inspirer mitgemacht hat, als pfiffigen jungen Mann kennengelernt. Als die Firma Napsys, die bei uns im Haus sitzt, Auszubildende gesucht hat, konnten wir ihn mit gutem Gewissen empfehlen. Jetzt macht er dort eine Ausbildung zum Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung.

EV: Was machen Sie, wenn Sie gewinnen, mit dem Preisgeld?

Freudenberg: Wir könnten dann die Erkenntnisse, die wir in Hamburg generiert haben, auf andere Städte übertragen. Das ist ja auch mein Job hier in der Projektleitung: Ich laufe alle Trampelpfade vor, und wenn sich etwas als sinnvoll herausstellt, macht mein Team eine Autobahn draus.

 

Quelle:

Die ZEIT:Elbvertiefung, der tägliche Newsletter der ZEIT für Hamburg, 8. November 2018

ZEIT ONLINE: Interview mit Safi Taher

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