Duale Ausbildungsvorbereitung für Migrantinnen und Migranten

Jährlich kommen Jugendliche im schulpflichtigen Alter ohne oder mit nur geringen Kenntnissen der deutschen Sprache aus dem Ausland nach Hamburg. Unabhängig von ihrem Aufenthaltsstatus gilt für diese Jugendlichen die Schulpflicht. Es ist Aufgabe der Schulen, sie so schnell und gut wie möglich in das Schulleben zu integrieren und ihnen die Chancen für einen erfolgreichen Bildungsweg zu eröffnen. Seit August 2012 werden auch an der Beruflichen Schule City Nord (BS28) junge Migrantinnen und Migranten unterrichtet.

Derzeit besuchen ca. 80 Schülerinnen und Schüler aus über 30 Nationen das Berufsvorbereitungsjahr für Migrantinnen und Migranten an der BS28. Im ersten Halbjahr 2016/17 beginnen etwa 45 neue Schülerinnen und Schüler die Duale Ausbildungsvorbereitung für Migrantinnen und Migranten (AvM-Dual). Nach einer mehrmonatigen Eingangsphase an unserer Schule lernen und arbeiten die Jugendlichen wöchentlich drei Tage in der Schule und zwei Tage im Betrieb. Das Ziel ist, dass die Schülerinnen und Schüler frühzeitig betriebliche Erfahrungen sammeln, Sprache im betrieblichen Kontext erlernen, kulturelle Kompetenzen entwickeln und Werte und Normen unserer Gesellschaft kennenlernen, sodass sich daraus Ausbildungs- und Beschäftigungsangebote entwickeln können.

Ausbildungsziel

Die zweijährige Ausbildung dient in erster Linie dem Spracherwerb und dem Erwerb beruflicher und sozialer Kompetenzen. Nach zwei Jahren können die Schülerinnen und Schüler den Abschluss der Berufsvorbereitungsschule erhalten, nach erfolgreichem Bestehen der Prüfung auch den ersten allgemeinbildenden (ESA) oder den mittleren Schulabschluss (MSA). Der anerkannte Abschluss der Berufsvorbereitungsschule ermöglicht nun den Übergang in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt oder in das Berufliche Gymnasium.

Unterricht

Der Unterricht erfolgt im Ganztag. Im berufsbezogenen Unterricht werden die Fächer Betriebliches Lernen und Handeln, Betriebliche Lernaufgabe, Reflexion betrieblicher Erfahrungen, und Gestaltung des Übergangs erteilt, im berufsübergreifenden Unterricht werden die Fächer Sprache und Kommunikation, Mathematik, Fachenglisch, Werte und Normen und Gesundheit und Bewegung erteilt. Hinzu kommen im Nachmittagsunterricht betreute Lernzeiten zur Bearbeitung von Hausaufgaben und zur Vor- und Nachbereitung des Unterrichts, Sportangebote, Betriebsbesichtigungen, die Erkundung des Stadtteils und Aktivitäten zur Alltagsbewältigung. Für leistungsberechtigte Schülerinnen und Schüler werden nach Bedarf zusätzliche Förderstunden angeboten.

Da die Schülerinnen und Schüler aus unterschiedlichen Herkunftsländern stammen, über nur geringe Sprachkenntnisse und sehr unterschiedlichen Bildungshintergrund verfügen, wird in weiten Teilen differenziert unterrichtet, um damit den Bedürfnissen und Erfordernissen der einzelnen Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden. Der Unterricht ist zumeist handlungs- und projektorientiert und bezieht in vielen Bereichen auch außerschulische Lernorte mit ein.

Lehrerinnen und Lehrer

Zurzeit unterrichten etwa 30 Kolleginnen und Kollegen in den AvM-Dual-Klassen. Die inzwischen sehr erfahrenen Lehrerinnen und Lehrer unterstützen die Schülerinnen und Schüler dabei, die Ausbildungsziele zu erreichen.

Sprachpatenschaften

Sehr gute Erfahrungen haben wir in den letzten Jahren mit Sprachpatenschaften gemacht. Viele Schülerinnen und Schüler des Beruflichen Gymnasiums und der Höheren Handelsschule haben sich bereit erklärt, Sprachpatenschaften für die jungen Migrantinnen und Migranten zu übernehmen. Inzwischen sind auch viele unserer Migrantinnen und Migranten sprachlich so fortgeschritten, dass auch sie Patenschaften für die neu eingeschulten Schülerinnen und Schüler übernehmen können. Sie unterstützen mit ihren besonderen Sprachkompetenzen die Lehrerinnen und Lehrer und erleichtern den neuen Schülerinnen und Schülern den Einstieg in das Schulleben an der BS28.

Unterstützung durch Partnerorganisationen

Das CJD (Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e. V.) bietet an der BS28 verschiedene Förderkurse in Deutsch, Mathematik und Englisch für berechtigte Schülerinnen und Schüler an.
EvaMigra (EVA_ngelische MIGRA_tionsjugendsozialarbeit) steht einmal pro Woche den Schülerinnen und Schülern in der Schule mit Rat und Tat zur Seite. Hier geht es in der Regel um individuelle Probleme, rechtliche Fragen und weitere über die Schule hinausgehende Unterstützungsbedarfe der Schülerinnen und Schüler.
Ein individuelles Coaching-Programm der AWO (Arbeiterwohlfahrt) und vom Deutsch-Iranischen Akademikerbund http://diab.de/ unterstützt einzelne Schülerinnen und Schüler bei der Vorbereitung auf die anstehende Prüfung und den Übergang in die weitere Ausbildung. Und ehemalige Kolleginnen und Kollegen der BS28 bringen ihre langjährigen Erfahrungen ehrenamtlich in Form von zusätzlichem Förderunterricht ein.

Einschulung

Die Aufnahme und Zuweisung der zugewanderten Jugendlichen, die älter als 15 Jahre alt sind, erfolgt durch das Informationszentrum des Hamburger Instituts für Berufliche Bildung (IZ-HIBB).

Die Einladung der Schülerinnen und Schüler erfolgt nach der Zuweisung durch das IZ-HIBB.